Wer zahlt Sozialbeiträge.


 

In regelmäßigen Zeitabständen streiken die Ärzte und das Pflegepersonal.
Die Sparmaßnahmen in den Sozialsystemen sind zu einem Dauerprozess
der Politik geworden. Man behauptet, die Unternehmen und junge
Generation trägt paritätisch die ganze Last der Finanzierung.
Anders gesagt, die Jungen und die Unternehmer zahlen für die Alten und
Kranken. Stimmt das? Nein, das stimmt nicht. Das zeigt schon eine vereinfachte
Preiskalkulation:
Nehmen wir an, dass Oma Bölke (Name ist erfunden) ist eine alte Witwe
und hat einen Sohn, der in einer Kerzenmanufaktur arbeitet.
Spalte                        1                   2                           3
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Anzahl der Mitarbeiter        6                   4                           1
Lohn/Mitarbeiter             1.500             1.500                       1.500 €/Monat
Produktionsvolumen          30.000            30.000                      30.000 Stück/Monat
Kosten:
Material und Energie         6.000             6.000                       6.000 €/Monat
Lohnkosten                   9.000             6.000                       1.500 €/Monat
Lohnnebenkosten 20%
Arbeitnehmer                   900               600                         150 €/Monat
Arbeitgeber                    900               600                         150 €/Monat
Sonstige Kosten              4.800             4.800              Import  10 000 €/Monat
(Telefon, Zinsen, Abschreibungen etc. )
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Kosten gesamt               21.600            18.000                      11.800 €/Monat
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Kalkulatorischer.
Gewin                     8% 1.728 €      29,4% 5.300               52,4%  6.200 €/Monat
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Gesamt                        23.328           23.300                      18.000 €/Mmon.
Stückpreis:      23328/30000=0,78   23.300/30.000=0,77          18.000/30.000=0,6 Euro
Sozialbeiträge                1.800             1.200                         300 €/Monat.
Spalte 2: Das Unternehmen entlässt 2 Mitarbeiter und rationalisiert die Arbeitsabläufe so, dass die Gesamtproduktion gleich hoch bleibt, wie vorher. Das Sozialsystem erleidet einen Schaden in Höhe von 1.800-1.200=600 Euro. Der Gewinn erhöht sich von 1.728 auf 5.300 Euro, so steigt die Rentabilität der Kosten von 8% auf 29,4% Der Firmeninhaber hat die Sozialbeiträge in Gewinne umgewandelt. Da der Inhaber des Unternehmens privat versichert ist, steigen die Beiträge bei der Privatkrankenkasse. Die öffentlichen Kranken- und Rentenkassen verzeichnen an der Einnahmenseite einen Verlust, wobei die Ausgaben durch den Preisanstieg wachsen. Spalte 3: Der Eigentümer verlagert die Produktion ins Ausland, entlässt die Mitarbeiter und wandelt die Firma in ein Importunternehmen. So sinken die Einnahmen des Sozialsystems von ursprünglich 1.800 auf 600 Euro. Beide Spalten, 2 und 3 zeigen, dass Verluste der Arbeitsplätze, oder deren Umwandlung in die Minijobs oder die Leiharbeit eigentlich die Ursache für ein defizitäres Sozialsystem verantwortlich sind. Das beantwortet aber nicht die Frage, wer in das Sozialsystem einzahlt. Aus der Aufstellung ist eindeutig ersichtlich, dass es sich um ein paritätisches System handelt, in dem die Jungen und gesunden mit dem Unternehmer solidarisch die finanzielle Last zu tragen haben. Und trotzdem ist solche Behauptung falsch. Der Beweis liegt in der Definition der Betriebskosten: Die Kosten sind eine Finanzierungsquelle des für die Produktion verbrauchten Kapitals. Wichtig ist das Wort Finanzierungsquelle. Will der Unternehmer dauerhaft auf dem Markt bestehen, muss er alle Kosten, auch die Lohnnebenkosten in den Preis einkalkulieren und dem Kunden in die Rechnung stellen. Der bezahlt den vollen Preis einschließlich Gewinn und sämtlichen Kosten. Also nicht der Unternehmer, nicht der Angestellte, sondern der Kunde zahlt für alle, die Angestellten, genau so wie für den Firmeninhaber alle Beiträge in das Sozialsystem ein. Das Unternehmen funktioniert nur als eine Sammelstelle, die nach dem Gesetz verpflichtet ist, die Sozialbeiträge abzuführen. Es handelt sich eigentlich um eine Verbrauchersteuer, dessen Höhe sich nach den Lohnkosten richtet. Darum auch die Klagen der Unternehmen, dass die Lohnnebenkosten sie Konkurrenzunfähig machen, weil die Preise zu hoch sind. Kommen wir jetzt zu unserer Oma Bölke. Zündet sie in der Kirche für ihren verstorbenen Mann eine Kerze, hat Sie bezahlt die Sozialbeiträge und nicht Ihr Sohn und seine Kollegen, die die Kerzen hergestellt haben. Nicht nur das, sie bezahlt anteilig auch den Lohn für ihren Sohn und seine Kollegen, sowie auch den Gewinn dem Firmeninhaber. Kommt sie nach Hause, muss sie sich in den Medien Beschwerden der Politiker anhören, über die fortschreitende Vergreisung der Gesellschaft und somit wachsende Belastung unseres Sozialsystems. Betrachten wir noch einmal die Spalte 2, dann hat sie beim Kauf der Kerze unbewusst eigene Sozialbeiträge gekürzt, weil der Unternehmer die Beiträge in eigene Gewinne umgewandelt und somit das Sozialsystem geschädigt hat. Das Gleiche betrifft auch die Spalte 3: Unsere Oma bezahlt einen billigeren Preis, was sie sicherlich freut, aber sie ahnt nicht, dass sie praktisch keine Sozialbeiträge mehr in eigenes Sozialsystem zahlt. Der Firmeninhaber hat sie zum Teil in eigene Gewinne umgewandelt. Ihr Geld fließt beim Kauf der Ware in diesem Fall in ein ausländisches Sozialsystem hinein, falls es dort so einen überhaupt gibt. Fazit: Das Umlagesystem beruht nicht an der jungen Generation und an den Unternehmen. Unser Sozialsystem beruht an der Solidarität aller Bürger. Wir alle finanzieren durch den Verbrauch der in Deutschland produzierten Ware und Dienstleistungen unser Sozialsystem. Das bedeutet nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Rentner, die Kranken, die Arbeitslosen und Hartz IV- Empfänger finanzieren durch ihren Verbrauch unser Sozialsystem mit. Fairerweise leisten in den Preisen enthaltene Beiträge auch unsere ausländischen Abnehmer. Problem ist nur, wie die Außenhandelsbilanz unsere Beschäftigung und Lohnniveau beeinträchtigt. Beides bildet die Basis für die Berechnung der Sozialabgaben. Beschäftigt unsere Exportindustrie für sich ausländische Subunternehmen, so hat unser Sozialsystem mit den selben Schwierigkeiten zu kämpfen, wie in der Spalte 2 oder 3 dargestellt ist.